Was wir gemacht haben/Wichern-Adventskranz
Aus Mittendrin
Zum Advent 2007 haben einige von Mittendrin einen ganz besonderen Adventskranz gestaltet - einen "Wichern-Adventskranz" mit 23 Kerzen:
Wann ist endlich Weihnachten?
Diese Frage mochte auch der Theologe und Pädagoge Johann Hinrich Wichern oft genug gehört haben aus dem Mund der Kinder, die er seit einigen Jahren im „Rauhen Haus“ betreute. Dort, einige Kilometer vor der Stadt Hamburg in dem Dorf Horn gelegen, hatte der damals 25-jährige 1833 begonnen, verwaisten und armen Kindern und Jugendlichen aus Hamburger Vorstädten Unterkunft und eine christliche Erziehung zu geben. Im Jahre 1839 schließlich, so heißt es, kam ihm ein Einfall, wie er den Kindern die Zeit des Wartens und der täglichen Andachten interessanter gestalten konnte: Auf einem hölzernen Leuchter im Betsaal des „Rauhen Hauses“ ließ er 23 Kerzen anbringen, vier große weiße für die Sonntage und 19 kleine rote für die Werktage im Advent. Bis zum Heiligen Abend wurde so in jeder Andacht unter Lesung einer biblischen Verheißung eine weitere Kerze entzündet – die Urform des heutigen Adventskranzes war entstanden. Freilich dauerte es dauerte noch eine Weile, bis der Adventskranz die heute bekannte Gestalt annahm: Zunächst wurden die Adventskränze des „Rauhen Hauses“ ab 1860, noch zu Lebzeiten Wicherns, mit Tannengrün umwunden. Später dann, als im 20. Jh. häusliche Adventskränze populär wurden, reduzierte sich die Zahl der Kerzen aus Platzgründen auf die vier Sonntagskerzen. Stand auf diese Weise dem „Siegeszug“ des Adventskranzes nichts mehr im Wege, so mußte er doch umgekehrt seine ursprüngliche Funktion als leuchtender Adventskalender verlieren: „Auf dem Kronleuchter des Betsaals mehrt sich täglich die Zahl der Lichter, die der Zahl der Adventstage entsprechen, bis am Schluß des Advents die ganze Lichterkrone strahlt und immer heller widerstrahlt in den Herzen der Kinder“ – so beschrieb Wichern selbst sein Anliegen in der typischen Sprache seiner Zeit.
Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein
Das kommende Jahr 2008 ist dem Gedenken an Johann Hinrich Wichern gewidmet, der vor 200 Jahren in Hamburg geboren wurde. EKD und Diakonisches Werk erinnern auf diese Weise an eine wichtige Gestalt der Erweckungsbewegung und des sozial engagierten Protestantismus, der zu einem der bedeutendsten Erneuerer der Diakonie des 19. Jh.s wurde. Wicherns Verdienste liegen zum einen in seinem sozialpädagogischen Wirken, bei dem es darum ging, verarmten und verwahrlosten Kindern durch positives Gemeinschaftsleben, praktische Ausbildung und Schulbildung zu einer selbständigen Lebensführung zu verhelfen. Zum anderen entwickelte und propagierte er den Gedanken der „Inneren Mission“, die auf der Grundlage des allgemeinen Priestertums und freier Vereinstätigkeit der Entkirchlichung der „Massen“ entgegenwirken sollte. Im Jahre 1848 gelang es ihm, auf dem ersten Deutschen Evangelischen Kirchentag in Wittenberg die Anerkennung der „Inneren Mission“ als genuiner Aufgabe der Kirche durchzusetzen. Bereits im Folgejahr wurden in Bonn der „Provinzialausschuß für Innere Mission“ und der „Gesamtverein für Innere Mission in Bonn“ gegründet, deren Anliegen u. a. die Arbeit mit Kranken, Armen, Hilfsbedürftigen, Häftlingen und entlassenen Strafgefangenen war. Dabei bestand ein enger Kontakt zwischen Wichern und dem Bonner Kirchenältesten Mortiz August von Bethmann Hollweg, dem späteren preußischen Kultusminister und Großvater des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg.
Aus Anlaß des Gedenkjahres haben sechs Freiwillige von „mittendrin“, der Gruppe junger Erwachsener an der Kreuzkirche, einen Original-Adventskranz nachgebaut. Für freundliche Ratschläge und telefonische „Starthilfe“ sei Herrn Kirchmeister Bernhard Naumann, der seit sechs Jahren für die Stadtkirche Wittenberg Adventskränze „nach Wichern“ herstellt, herzlich gedankt.